Jüdischer Friedhof

Der jüdische Friedhof –Beth hachajjim, Inschriften und Symbole

 

Jüdische Friedhöfe gehören zu den interessantesten Zeugnissen jüdischen Lebens. Die erhaltenen Grabsteine verweisen auf eine uralte Friedhofskultur und geben uns zugleich einen Einblick in das Leben jedes einzelnen an dieser Stelle begrabenen Menschen.

Friedhöfe gelten als unantastbar, und jedes Grab ist selbst ein „Haus der Ewigkeit“ und somit Eigentum des Verstorbenen. Daher sind jüdische Friedhöfe nicht nur für eine begrenzte Zeit, sondern für die Ewigkeit angelegt.

Die Grabsteine erzählen von einem einmaligen Leben und den Verdiensten des Verstorbenen. Er ruht im Garten Eden im Angesicht und im Schutz G´ttes bis zur Auferstehung. Hierauf weisen verschiedene Segensformeln hin Die meist gebräuchliche ist „Möge seine / ihre Seele eingebunden sein in das Bündel des Lebens“ (Vgl. 1. Sam. 25,29).

Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich die Lebensgewohnheiten und damit auch die Einstellungen zur Kultur der verschiedenen Länder, in denen Juden leben. Somit sind jüdische Friedhöfe immer ein Spiegelbild der Kultur einer Gesellschaft.

Der Respekt vor der Totenruhe spiegelt die Mündigkeit der Gesellschaft wider, in der wir zu Hause sind.

Doch wo jüdische Friedhöfe zerstört wurden, war es immer die Gewalt der Andersdenkenden, die ihre Macht missbrauchten.

Auf jüdischen Friedhöfen kann man oft den Weg von der Orthodoxie über die Aufklärung bis zur völligen Säkularisierung einzelner Familien nachempfinden.

Im Talmud (b Gittin 61a) steht: „Es ist ein Gesetz des Friedens und eine Pflicht, die Armen jeder Nation zugleich mit den Armen Israels zu unterstützen, ihren Kranken beizustehen und ihre Toten zu bestatten.“

Die Grabsteine waren bis hin zur Neuzeit einfach gestaltet, aber seit dem 16. Jahrhundert werden Textinschriften auf Grabsteinen häufig von symbolischen Darstellungen begleitet. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten.

Im 16. Jahrhundert wurde zum ersten Male auf dem Prager Friedhof der Magen David (Schild Davids) auf einem Grabstein dargestellt. Auch die Menorah, der siebenarmige Leuchter des Tempels, wird als Symbol verewigt.

Auf Grabsteinen von Frauen ist oft die Darstellung von Shabbatkerzen zu sehen, denn es ist die Aufgabe der Frau, bei Shabbatbeginn die Kerzen anzuzünden und das Shabbatgebet zu sprechen.

Eine abgeknickte Rose oder eine abgeknickte Palme symbolisieren, dass dieser Menschen aus dem Leben gerissen wurde.

Wir haben in unserer Ausstellung eine große Anzahl von Symbolen beschrieben und dargestellt. Alle hebräischen Grabsteininschriften, die zu sehen sind, wurden übersetzt, so dass sich jedem Besucher die Tür zu einem einmaligen Menschen und seinem Leben öffnet.

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